Steinwild am Niederhorn

 

Bericht

Meteorologischer Herbstbeginn… Der Herbst machte klar, wer ab jetzt das Sagen hat. Nebel, Regen kombiniert mit unangenehm tiefen Temperaturen trübten etwas die Vorfreude auf den NFS-Event «Steinböcke auf dem Niederhorn». Aber wer ein echter Schweizer Naturfotograf ist, lässt sich von dem unwirtlichen Wetter nicht aufhalten. Und so machen sich kurz nach 11h00 die Teilnehmer auf den Weg Richtung Burgfeldstand. Steinböcke, Gämsen und mit etwas Glück vielleicht ein Schneehuhn standen auf der Liste der Fotografen. Aber die Natur hält sich bekanntlich nicht immer an die Wünsche der Fotografen. Kein Steinbock und keine Gämse wollten sich zeigen. Und auch Eiger, Mönch und Jungfrau hielten sich bedeckt. Höhepunkt waren dafür Mornellregenpfeifer, die wohl auf ihrem Zug in die Winterquartiere vom schlechten Wetter überrascht und zu einem Zwischenhalt auf dem Niederhorn gezwungen wurden. Auch ein paar junge Schneehühner wurden entdeckt und mangels Alternative fleissig fotografiert. So war nach drei Stunden Aufenthalt auf dem nasskalten Gipfelgrat nicht nur das Wetter, sondern auch die Stimmung etwas getrübt. Aber nach einer heissen Tasse Kaffee und dem einen oder anderen Bier sah die Fotografenwelt schon wieder anders aus. Man war man sich einig, dass auch eine Fotopirsch ohne die gewünschten Motive einem Nachmittag auf dem Sofa vorzuziehen ist. Die Zeit bis zum Abendessen wurde – wie kann es anders sein – genutzt, um angeregt über alles zu diskutieren, was mit Fotografie zu tun hat. Aktuelle Kameratrends wurden kommentiert, Fotobücher herumgereicht und die Erlebnisse der letzten Fotoreisen erzählt. Natürlich durfte auch der eine oder andere Seitenhieb zwischen Nikon und Canon Fotografen nicht ausbleiben.
Plötzlich machte sich eine gewisse Unruhe breit. Die Nachricht, dass hinter dem Haus zwei junge Steinböcke äsen, machte die Runde. Die Küche wurde angewiesen, das Abendessen zügig aufzutragen und eine Dreiviertelstunde später standen alle Fotografen dick eingepackt und mit Kamera ausgerüstet unter dem gewaltigen Sendemast hinter dem Berghaus. Nun zeigte sich auch das Wetter versöhnlich. Der Nebel lichtete sich und der Blick über die Berge entschädigte für den grauen Tag mit fotogenen Stimmungen. Das liess hoffen für den nächsten Tag. 

Und der begann früh um 06h15 mit einem schnellen Kaffee. Zu einem ausgedehnten Frühstück blieb keine Zeit und noch vor Sonnenaufgang macht sich die Gruppe wieder auf den Wanderweg Richtung Burgfeldstand. Zwar dominierten Wolken nach wie vor den Himmel und Nebelschwaden zogen immer wieder über die Bergkrete. Aber jetzt man konnte erahnen, welch spektakuläres Panorama man von hier oben bei schönen Wetter geniessen kann. Nur die Steinböcke und die Gämsen machten sich nach wie vor rar. Dafür entschädigten stimmungsvolle Landschaftsaufnahmen und Nahaufnahmen von den bereits erwähnten Schneehühnern für das fehlende Steinwild. Als der Nebel wieder dichter wurde, war klar, dass die erhofften Fotos sich heute nicht mehr machen liessen und die Gruppe machte sich auf den Rückweg.
Und da, keine 500 Meter vor dem Restaurant zeigt sich eine kleine Gruppe von Steinböcken. Nun gab es keine Halten mehr. Die Fotorucksäcke landeten auf dem Boden und die Fotografen warfen sich auf das feuchte Gras, um aus ungewöhnlichen Perspektiven ihre ersehnten Fotos doch noch zu realisieren. Sogar die in der Nähe grasenden Kühe schienen unsere Freude zu teilen, und unterstützen uns mit lautem muhen…
Natürlich hätte sich jeder von uns spektakuläre Fotos von kapitalen Steinböcken im besten Abendlicht gewünscht. Aber als Naturfotografen wissen wir, dass sich solche Bilder nicht auf Knopfdruck realisieren lassen. So bleibt die Vorfreude aufs nächste Jahr, wenn der NFSEvent «Steinböcke auf dem Niederhorn» hoffentlich wieder angeboten wird.

Stefan Leimer

Bilder