Susanne Venditti

Event Rückblicke 2020

Gämsen in den Vogesen (12.-13.9.2020)

Um 10 Uhr morgens versammelten sich neun Naturfotografen in den Vogesen, um in der näheren Umgebung von Le Hohneck Gämsen zu beobachten und zu fotografieren. Diejenigen, die schon früher angereist waren, erzählten bereits von Sichtungen und steigerten damit die Spannung. Bald fuhren wir bei schönstem Wetter und warmen Temperaturen los, um den Weg zur Martinswand unter die Füsse zu nehmen. Oben angekommen teilten wir uns in zwei Gruppen auf und warteten darauf, einige Gämsen zu sehen. Die Sonne brannte auf uns herunter, ein Turmfalke drehte seine Runden, aber den Gämsen war anscheinend auch zu heiss und sie blieben wohl in den schattigen Wäldern im Talkessel. Daher gingen wir etwa zwei Stunden später ohne Wildsichtung wieder zum Treffpunkt. Nach einer kulinarischen Stärkung im Restaurant fuhren wir zur Auberge zurück und vereinbarten, uns um 17 Uhr für die Abendlichtfotografie wieder zu treffen. Die einen ruhten sich aus, andere gingen auf Entdeckungsreise oder genossen die Zeit an einem kleinen See in der Nähe.

Als wir uns für die Golden-Hour-Fotografie trafen, ging die Fahrt an einen Punkt unterhalb von Le Hohneck, von wo aus Christine uns einen schmalen Pfad entlang zu einem Punkt mit guter Sicht führte. Dort angekommen, übten wir uns in Geduld, bis die ersten Gämsen ihren abendlichen Weg hinauf zu den Weiden kommen würden. Da das Wetter so wunderschön und die Sonne noch nicht untergegangen war, befanden sich auch noch viele Touristen in der Region, welche z.T. ziemlich laut waren, so dass sich die Gämsen Zeit liessen. Doch plötzlich rief die Teilnehmerin Christine: "Dort unten hat es eine!". Die Freude war gross, die Distanz auch, und erst nach und nach kamen weitere Tiere hoch. Es hatte auch Jungtiere dabei. Es waren zwar nicht wie erwartet grössere Gruppen von Gämsen, aber wir konnten doch einige schöne Fotos machen, bevor wir den Rückweg antreten mussten. Als wir schliesslich am Tisch sassen, sah man die untergehende Sonne durch das Fenster scheinen, und plötzlich gab es ein Stühle rücken und etwa die Hälfte der Gruppe verliess den Saal, um die schöne Stimmung einzufangen. Danach gab es ein üppiges Nachtessen, bei dem wir noch gemütlich Erfahrungen und Geschichten austauschten. Doch schon bald zog es uns ins Zimmer, um noch genügend Schlaf vor dem morgendlichen Ausflug zu bekommen.

Kurz nach 6 Uhr trafen wir uns also wieder im Saal, um gemeinsam die Auberge durch das Garagentor zu verlassen und zur Hohneck zu fahren. Von dort aus hielten wir Ausschau nach den Silhouetten der Gämsen, die sich als dunkle Flecken vom Hintergrund abhoben. Schon bald sahen wir sie grasen und bezogen unterschiedliche Positionen, um dann im idealen Licht bereit zu sein. Und wieder einmal dachte ich: "Es lohnt halt doch, so früh aufzustehen und diese spezielle Stimmung zu geniessen!". Allmählich erschien die Sonne hinter den Hügeln und erhellte den Himmel. Wir verhielten uns so ruhig wie möglich, um die Tiere nicht zu stören und begannen zu fotografieren. Sobald die Sonne aufging, kamen auch mehr Fotografen, Touristen, Jogger und Hundespaziergänger. Die Gämsen wechselten z.T. den Standort, und als noch ein Schuss irgendwoher ertönte, schreckten sie auf und eilten davon. Es konnten noch Fotos im idealen Licht gemacht werden, bevor sie sich weiter weg zurückzogen. Bald war schon wieder Zeit für die Rückkehr in die Auberge, wo wir das Frühstück assen. Wir sassen also gemütlich zusammen, lachten, erzählten Anekdoten und verzehrten unser Morgenessen, bevor wir die Zimmerschlüssel abgaben. Danach trennten sich unsere Wege schon wieder und mit neuen Erlebnissen im Kopf und Fotos auf dem Chip traten die meisten die Rückfahrt an. Ich danke Christine Sersch, die uns ein schönes Wochenende im Gebiet der Ballons des Vosges ermöglicht hat, für die Organisation! Da ich zu den Fotografinnen gehöre, die gerne jeweils eine zweite Chance haben und die Anreise doch eine Weile dauerte, hängte ich dem Event gleich noch einen Tag an.

Patricia Schuppisser

Steinwild auf dem Niederhorn (8.-9.8.2020)

Ein magisches Wochenende auf dem Niederhorn.

Am Samstag den 08.August trafen wir 7 Natur- und Fotografie-Begeisterte uns um 11 Uhr im Berghaus Niederhorn. Wir das waren...Christine, Lamya, Roland (Organisator), Ralph, Gerald, Peter und meine Wenigkeit Andrea.
Wie üblich in der Naturfotografie, darf man nichts erwarten, aber alles hoffen. Petrus meinte es auf jeden Fall schon mal so richtig gut mit uns, er schenkte uns Sonne, Wölkchen für traumhafte Sonnenuntergänge und Temperaturen, die es uns erlaubten, beinahe Tag und Nacht, im T-Shirt rumzulaufen.
Gegen Mittag marschierte Roland mit 5 hitzebeständigen Fotografen/innen los, um ihnen die Gegend näher zu bringen. Ich musste aufgrund der Hitze passen. Der erste Rundgang, ohne schwere Ausrüstung, führte bis zum Burgfeldstand und zurück.
Nach einem frühen Abendessen um 17 Uhr starteten wir mit unseren Kameraausrüstungen zur Motivjagd. Beim See(li) angelangt mussten wir feststellen, dass es den Tieren wohl zu heiss war, um vor unseren Kameras herumzuturnen. Da es noch früh genug war, entschieden wir uns weiter zu wandern. Oben am Burgfeldstand entdeckten wir weit entfernt eine Steingeiss und ein Murmeltier. Sonst waren leider keine Tiere in Sichtweite. Inzwischen näherte sich der Sonnenuntergang. Wir machten uns auf den Rückweg, um eine geeignete Stelle zum Fotografieren zu suchen.
Nebenbei erwähnte ich kurz, dass wir ja zum Glück gut mit Taschenlampen ausgerüstet seien. Roland meinte darauf: „Die werden wir nicht brauchen, bevor es dunkel wird, sind wir längst zurück“ Rolands Aussage wird sich später noch als nicht ganz richtig herausstellen;-)
Ganz unerwartet „stolperten“ wir über eine Steingeiss und da waren plötzlich auch noch zwei Kitze, ca. 2 Monate jung. Sofort richteten wir unsere Kameras auf die Tiere anstatt gegen den Himmel. Roland und Lamya vergassen zum Glück nicht ganz, dass wir eigentlich auch den Sonnenuntergang fotografieren wollten. Es tauchten immer mehr Steingeissen direkt vor uns auf. Als es uns das Licht bereits schwer machte die Tiere gut belichtet aufzunehmen, begannen wir mit Silhouetten Bildern. Steinwild vor einem rot leuchtendem Himmel, das war atemberaubend. Ab diesem Moment war ich nicht mehr die einzige mit einer ausgeprägten Steinbock Begeisterung. Christine hatte es ebenfalls erwischt und sie schwärmte jubelte und frohlockte nun genauso intensiv wie ich. Man sass fotografierend in der Natur, umgeben von Wildtieren, vergass die Welt rundherum und fühlte sich einfach überglücklich.
In vollkommener Dunkelheit, früher konnten wir uns nicht von den Steingeissen lösen, liefen wir berauscht, mit unseren nun doch noch dringend notwendigen Taschenlampen, zurück zum Berghaus. Bis um ca. 23 Uhr sassen wir bei Tee, Café und Bier zusammen und liessen diesen emotionalen und ereignisreichen Tag ausklingen. Es folgte eine kurze, sehr sehr kurze Nacht, aber das nahmen wir gelassen, waren wir schliesslich zum Fotografieren und nicht zum Schlafen hier oben auf dem Niederhorn.

Um halb fünf Uhr morgens, riss der Wecker uns am Sonntag aus unseren Steinbock-Träumen. Da die Zimmer enorm „hellhörig“ sind, waren die paar Stunden Schlaf mit vielen Wachphasen versehen und es verwunderte mich, wie wach trotzdem am Morgen alle wirkten. Um 04.45, hiess es Abmarsch in die dunkle Niederhornregion. Den Weg kannten wir ja nun schon im Schlaf, sind wir ihn doch bereits einige Male gelaufen. Am See(li) angekommen brachten wir unsere Kameras in Position. Lamya und ich, wir waren wohl doch noch nicht so ausgeschlafen wie wir aussahen...wir hatten beide unsere Stativplatten im Zimmer zurückgelassen.
Die Sonne liess, wegen der Berge, auf sich warten. Als sie dann hinter der Bergkulisse auftauchte, ging alles ruckzuck. Die Kameras klickten im Serienbildmodus und kaum 2 Minuten später war der Sonnenaufgang fotografisch gesehen, vorbei. Noch einmal ein Blick auf die in der Sonne strahlenden Berggipfeln des Eiger Mönch und Jungfrau Massivs und dann ging es weiter entlang des Güggisgrats, um hoffentlich dort anwesendes Steinwild zu entdecken. Einige Tiere, hielten sich im schattigen Nordhang auf. Nach einiger Zeit der Beobachtung und einigen Bildern mit grossen Brennweiten, ging es weiter bis auf den Burgfeldstand. Das Panorama war wie immer herrlich und wir genossen die Aussicht.
Einige Tierarten wie zB. das Schneehuhn, bekamen wir leider nicht zu Gesicht, dafür gab es ja Sichtungen von Steingeissen, Kitzen, einer Gemse, mehr als einem Hausrotschwanz, Libellen und Schmetterlingen wie dem „kleinen Fuchs“ und dem „Schwalbenschwanz“, ah ja, und Kühen aller Rassen.

Als wir auf dem Rückweg zum Berghaus Niederhorn waren, hielten wir weiter Ausschau nach Steinwild. Einige waren immer noch im Nordhang wie heute morgen. Plötzlich sagte Peter: „Da, da sind sie“ und zeigte auf den Wanderweg. Tatsächlich, da standen 4 Steingeissen mitten auf dem Weg. Sie leckten an zwei Steinen und liessen sich von uns nicht wirklich stören. Es dauerte nicht lange und unsere Kameraauslöser liefen wieder auf Hochtouren.
Mit viel Geduld und Respekt den Tieren gegenüber, näherten wir uns ihnen. Am Ende standen und lagen wir mit unseren Kameras nur noch ein paar Meter entfernt von den Steingeissen und waren beeindruckt von dem Vertrauen, welches sie uns entgegenbrachten. Ausser Ralph, er meinte: „Das ist keine Wildlifephotography, das ist ein Streichelzoo“ und verliess uns. Doch er kam nicht weit, er begegnete 2 Geissen und fotografierte begeistert weiter;-) Um 10 Uhr waren wir wieder zurück im Berghaus und freuten uns auf unser wohlverdientes Frühstück. Nach einem gemütlichem Zusammensitzen und das wunderschöne Wochenende Revue passieren lassend, verabschiedeten wir uns und traten alle mit Glücksgefühlen im Gepäck, unsere Heimreisen an. Ein ganz herzliches Dankeschön an Roland, der alles super organisiert hatte und einen guten Draht zu Petrus zu haben scheint.

Andrea Zanella

Eigene Bilder mit anderen besprechen (22.2.2020)

Wer als Naturfotograf an Wettbewerben teilnimmt oder Wettbewerbe mitverfolgt, kommt immer wieder an den Punkt, wo er sich fragt, warum genau dieses Bild auserkoren wurde. Damit ist das Bedürfnis, sich mit anderen zu seinen oder anderen Bildern auszutauschen schon geboren.
So kamen am 22.2.2020 acht Fotografen in Baden zusammen, um sich unter Anleitung einer Fotografin über ausgewählte Bilder zu unterhalten.
Zur Vorbereitung und Einstimmung hatte uns Anna-Barbara bereits mit Informationen zu förderlichen Rückmeldungen ausgestattet. So konnten wir nach einer kurzen Einleitung und einer Repetition der fotografischen Gestaltungsmittel zum Austausch schreiten.
Jeder Teilnehmer hatte im Vorfeld acht Bilder eingereicht, bis am Mittag schafften wir es, je zwei davon zu besprechen. Es war spannend und intensiv, zu spüren, was ein Bild in einem auslöst. Noch schwieriger war es, herauszufinden, welche Bildelemente diese Emotionen hervorriefen. So übten wir uns einerseits in der Wahrnehmung, andererseits war es aber auch aufschlussreich zu erfahren, wie die eigenen Bilder auf andere wirken.
Nach einem kurzen Imbiss machten wir uns am Nachmittag daran, die restlichen Bilder zu besprechen.
Es war ein kurzweiliger, anstrengender Tag. Wir haben über Bilder und ihre Wirkung nachgedacht, bewusst die Bildgestaltung beachtet und uns von den Kollegen neue Inspiration geholt.

Herzlichen Dank an Anna-Barbara für die sorgfältige Vorbereitung und kompetente Leitung dieses Workshops.

Roland Bruderer

Wildlife Photographer of the Year - Ausstellungsbesuch (25.1.2020)

Am 25. Januar 2020 trafen sich sechs Mitglieder vor dem naturhistorischen Museum in Basel. Für einmal lockte nicht ein Objekt, das es zu fotografieren galt. Wir bewunderten in einer Ausstellung die hundert besten Bilder des internationalen Fotowettbewerbes der Naturfotografen. Das Naturhistorische Museum in Basel bot in einer Sonderausstellung Einblick in die Welt der Naturfotografie einer ganz besonderen Art.

Das Museum überliess nichts dem Zufall und scheute keine Kosten, um diese Kunstwerke auf eine eindrückliche Art zu präsentieren. Die Bilder wurden nicht einfach aufgehängt und beleuchtet. Die Basis ist ein Bilderrahmen in der Grösse von ca. 1 x 1 Meter mit einer Beleuchtung, bestehend aus mehreren hundert LED. Vor dieser LED-Wand war eine Scheibe aus mattem Glas montiert, davor das Bild, ein Print der Extraklasse auf einer transparenten Folie. Die Bilder leuchteten im dunklen Raum wie grosse Bildschirme. Die Qualität der Bilder war selbst bei genauer Betrachtung aus der Nähe perfekt und liessen sie in ihrer wundervollen Schönheit erscheinen.

Bei der Betrachtung der Bilder ist mir eines ganz besonders aufgefallen, dass die Aussage der Bilder einen entscheidenden Stellenwert hat. Eine besondere Aktion, der entscheidende Zeitpunkt der Aufnahme, die seltene Begegnung zweier Gegensätze sind die markanten Qualitätsmerkmale eines guten Bildes.

Die Bilder können im Internet mit allen Angaben in deutscher Sprache unter der folgenden Internetadresse betrachtet werden:

www.nhm.ac.uk/wpy/

Wer die technischen Daten genauer betrachtet stellt fest, dass ein umfassendes, teures Equipment nicht einfach zu einem gut prämierten Bild führt. Vielmehr ist ein monatelanges, manchmal auch jahrelanges Engagement erforderlich, um genau die Aufnahmen machen zu können, die den gewissen Reiz ausmachen. Die Texte und die Beschreibung sind sehr interessant. Sie eröffnen die Möglichkeit den Aufwand des Fotografen und dessen Gedanken nachzuvollziehen.

Bei einem anschliessenden, gemeinsamen Mittagessen konnten wir die gesammelten Eindrücke austauschen. Besten Dank an Christine Sersch für die Organisation.

Peter Wyler