Dominik Cantaluppi

Event Rückblicke 2021

GV-Event (25-27.6.2021)

GV 2021 im Saastal: ein Wochenende mit Pfiff!
So manch einer war am Freitag wohl froh, der Hitze im Tal zu entfliehen und mit dem Poschi oder dem Auto in die hinterste Ecke des Saastals zu kurven. Im auf fast 1700m gelgenen Saas Almagell sind die Temperaturen angenehm und beim Begrüssungsapéro warten auch kulinarische Erfrischungen. Die oder der Naturfotograf*in des Jahres weilt vielleicht auch schon inkognito unter uns, doch weil die Wettbewerbsauflösung den Corona-Massnahmen zum Opfer fiel, können wir darauf noch nicht anstossen. Wir üben uns in Geduld uns sind gespannt auf die Online-Verkündung in den nächsten Tagen.

Der nächste Morgen startet mit der traditionellen Warteschlange vor der Kaffeemaschine am Frühstücksbuffet. Bald sind aber alle verköstigt und mit Lunchpaketen bewaffnet geht’s ins Nachbarsdorf Saas Grund. Die Gondelbahn bringt uns bequem hoch auf den Kreuzboden, wo sich die Naturfotografen-Schar in alle Richtungen verteilt: während die einen auf dem Blumenweg Frühblüher und das fantastische Panorama geniessen, haben die anderen nur noch Augen für die putzigen Murmeltiere in der unmittelbaren Nachbarschaft der Bergstation. Wiederum andere zieht es noch weiter empor, aufs Hohsaas. Hier, auf über 3000 Meter über Meer, kommt man schon fast ein bisschen ins Schnaufen beim kurzen Spaziergang an die Zunge des Triftgletschers. Dort gibt es einerseits faszinierende Séracs zu bestaunen und andererseits Alpinisten auf dem Weg aufs Weissmies zu beobachten.

Am Nachmittag ziehen langsam ein kühler Wind und ein paar verdächtige Gewitterwolken auf. Das scheint aber den Bartgeier, der sich in der Thermik der Bergflanke entlang hochschraubt, nicht zu stören. Leider ist er selbst für die zum Teil monströsen Teleobjektive, die wir da so durch die Gegend schleppen, etwas zu weit weg. Dennoch eine tolle Beobachtung, die uns zufrieden wieder zu Tal gondeln oder wanden lässt. Vor dem Abendessen folgt die offizielle Generalversammlung. Neben den ständigen Traktanden müssen wir uns dieses Jahr auch zwei Vorstandsmitglieder verabschieden: André und Hansruedi werden für ihren langjährigen Einsatz verdankt, unter grossem Applaus zu Ehrenmitgliedern ernannt und bleiben so dem Verein auch ausserhalb dieses Gremiums erhalten. Für Verstärkung werden künftig die beiden neuen Vorstandsmitglieder Marc (Events) und Monika (Finanzen) sorgen, die ebenfalls mit Applaus willkommen geheissen werden.
Fotografisch gesehen wartet der Sonntag Vormittag nochmals mit Highlights auf: während der einen Gruppe am Mattmark Stausee der Wind um die Ohren pfeifft, gehen die anderen entweder am Dorfrand von Saas Fee oder auf dem Spielboden mit Murmeltieren auf Tuchfühlung. Die sind hier übrigens nicht sehr auf Pfiff, wenn man damit ihre Warnschreie bei «Bodenangriffen» meint: sehr an den Menschen gewöhnt (...und wohl auch mit Futter VERwöhnt...), haben einige Exemplare fast jede Scheu verloren und lassen sich mit etwas Geduld sogar mit dem Weitwinkel-Objektiv fotografieren. Gegen Mittag endet ein rundum gelungenes GV Event mit einem reichhaltigen Abschiedsapéro zurück im Hotel Zurbriggen Saas Almagell – herzlichen Dank allen Beteiligten für die Organisation dieses tollen Wochenendes!

Mel Weber | www.tiefblicke.ch

Libellen am Wasser (29.5.2021)

Den wenigsten Passagieren, die den Flughafen Zürich nutzen, dürfte es bewusst sein, dass sich unmittelbar neben der Piste das Naherholungsgebiet der alten und neuen Glattläufe befindet, welches zu den bedeutendsten und attraktivsten Altwasserlandschaften des Kantons Zürich gehört. Das Naturschutzgebiet ist Lebensraum für eine Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Es wurde im Rahmen des Ausbaus des Flughafens geschaffen.

Am Morgen des letzten Samstags im Mai versammelten sich zwölf Naturfotografen*innen am Bahnhof Rümlang, um sich unter der kundigen Führung von Erich auf die Suche nach Libellen, die in diesem Gebiet häufig vorkommen, zu begeben. Der ungewöhnlich kalte und nasse Mai dämpfte die Erwartungen etwas, es war zu befürchten, dass viele Libellen noch im Larvenstadium sind. Zum Glück reichten zwei, drei sonnige Tage, um eine grosse Anzahl von gebänderten Prachtlibellen (Calopteryx splendens, Tier des Jahres 2008 von Pro Natura) zum Schlüpfen zu bringen. Die renaturierten alten Glattläufe bilden für sie einen idealen Lebensraum. Für die im Gebiet ebenfalls heimischen roten Libellen (Name von Eric erfragen) war es witterungsbedingt noch ein paar Tage zu früh.

Nach kurzem Fussmarsch im Gebiet angelangt, erläuterte Erich mit grosser Kompetenz die Entstehung des Schutzgebietes und gab Hinweise, welche Tiere und Pflanzen ausser Libellen zu finden sind.
Die ca. 5cm langen, blau-grün schillernden Männchen und die gleichgrossen, grün- bis bronzefarbenen Weibchen der gebänderten Prachtslibelle mit ihren ca. 6 cm langen Flügelpaaren bildeten in der Morgensonne attraktive Motive. Jedenfalls, solange sie noch auf Halmen sassen und sich aufwärmen. Einmal in der Luft, waren sie sehr schwierig im Sucher zu halten, denn die wahren Luftakrobaten machten sich pfeilschnell auf die Jagd nach Insekten. Dafür sind sie dank ihrer grossen Facetten-Augen und ihres beweglichen Kopfes bestens gerüstet. Wie alle Libellen, können sie ihre Flügel unabhängig voneinander bewegen – das verleiht ihr eine grosse Wendigkeit. Allerdings werden Prachtslibellen auch leicht zur Beute grösserer Artgenossen, von Fischen, Fröschen und Vögeln.

Bald einmal verschwanden die Fotograf*innen im hüfthohen Gras längs der Glattläufe, stellten ihre Stative auf und brachten ihre Makro-Objektive in Anschlag. Gar nicht so einfach, in dieser dichten Vegetation einen guten Bildausschnitt zu finden. Dabei zeigte es sich, dass die Fluchtdistanz der einzelnen Individuen recht unterschiedlich war. Oft kehrten sie an den gleichen Halm zurück. Geduld war also gefragt – wie immer in der Tierfotografie.

Das Gebiet alte Glattläufe ist von zahlreichen Wegen durchzogen, die von Wanderern und Bikern gerne genutzt werden. Attraktive Auenlandschaften, Naturwiesen und Äcker, Spiegelungen in stehenden Gewässern, die nur in diesem Gebiet vorkommende sibirische Schwertlilie (Iris sibirica) und verschiedene Orchideenarten bieten viele attraktive Fotomotive. Immer wieder ist auch ein Blick auf das Flugfeld möglich. Der wegen Corona deutlich reduzierte Flugbetrieb war augenfällig.

Der Lunch aus dem Rucksack an einem der Rastplätze bot Gelegenheit zum Fachsimpeln und zum Erfahrungsaustausch. Für Insektenfotografie ist ein Makro-Objektiv mit längerer Brennweite, mindestens 100mm, besser aber zwischen 150 und 200mm, eventuell sogar an einer Kamera mit Crop-Faktor von Vorteil. Eine kurze Verschlusszeit, nötigenfalls unter Inkaufnahme höherer ISO-Werte, ist Voraussetzung für scharfe Bilder, denn die Halme, auf denen die Libellen sitzen, sind kaum je wirklich ruhig und auch ohne Wind fast ständig in Bewegung.

Im Verlauf des Nachmittags machten wir uns mit leeren Akkus und vollen Speicherkarten, vor allem aber mit vielen tollen Erinnerungen – viele auch mit der Absicht, bald wieder an diesen wunderschönen Ort zurückzukehren - auf den Heimweg. Die Sichtung, Bewertung und Bearbeitung der Bilder wird uns noch viel Arbeit und viele Glücksmomente bescheren.

Ein grosses und herzliches Merci an Therese für die perfekte Organisation dieses Events und an Erich sowie seinen Sohn Janis für die kundige Führung durch dieses Kleinod inmitten
dieser durch den Menschen intensiv genutzten Landschaft mit dicht bebauter Verkehrs- und anderer Infrastruktur.

Bruno Wägli, Aarberg