Dominik Cantaluppi

Event Rückblicke 2020

Libellen am Wasser (29.5.2021)

Den wenigsten Passagieren, die den Flughafen Zürich nutzen, dürfte es bewusst sein, dass sich unmittelbar neben der Piste das Naherholungsgebiet der alten und neuen Glattläufe befindet, welches zu den bedeutendsten und attraktivsten Altwasserlandschaften des Kantons Zürich gehört. Das Naturschutzgebiet ist Lebensraum für eine Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Es wurde im Rahmen des Ausbaus des Flughafens geschaffen.

Am Morgen des letzten Samstags im Mai versammelten sich zwölf Naturfotografen*innen am Bahnhof Rümlang, um sich unter der kundigen Führung von Erich auf die Suche nach Libellen, die in diesem Gebiet häufig vorkommen, zu begeben. Der ungewöhnlich kalte und nasse Mai dämpfte die Erwartungen etwas, es war zu befürchten, dass viele Libellen noch im Larvenstadium sind. Zum Glück reichten zwei, drei sonnige Tage, um eine grosse Anzahl von gebänderten Prachtlibellen (Calopteryx splendens, Tier des Jahres 2008 von Pro Natura) zum Schlüpfen zu bringen. Die renaturierten alten Glattläufe bilden für sie einen idealen Lebensraum. Für die im Gebiet ebenfalls heimischen roten Libellen (Name von Eric erfragen) war es witterungsbedingt noch ein paar Tage zu früh.

Nach kurzem Fussmarsch im Gebiet angelangt, erläuterte Erich mit grosser Kompetenz die Entstehung des Schutzgebietes und gab Hinweise, welche Tiere und Pflanzen ausser Libellen zu finden sind.
Die ca. 5cm langen, blau-grün schillernden Männchen und die gleichgrossen, grün- bis bronzefarbenen Weibchen der gebänderten Prachtslibelle mit ihren ca. 6 cm langen Flügelpaaren bildeten in der Morgensonne attraktive Motive. Jedenfalls, solange sie noch auf Halmen sassen und sich aufwärmen. Einmal in der Luft, waren sie sehr schwierig im Sucher zu halten, denn die wahren Luftakrobaten machten sich pfeilschnell auf die Jagd nach Insekten. Dafür sind sie dank ihrer grossen Facetten-Augen und ihres beweglichen Kopfes bestens gerüstet. Wie alle Libellen, können sie ihre Flügel unabhängig voneinander bewegen – das verleiht ihr eine grosse Wendigkeit. Allerdings werden Prachtslibellen auch leicht zur Beute grösserer Artgenossen, von Fischen, Fröschen und Vögeln.

Bald einmal verschwanden die Fotograf*innen im hüfthohen Gras längs der Glattläufe, stellten ihre Stative auf und brachten ihre Makro-Objektive in Anschlag. Gar nicht so einfach, in dieser dichten Vegetation einen guten Bildausschnitt zu finden. Dabei zeigte es sich, dass die Fluchtdistanz der einzelnen Individuen recht unterschiedlich war. Oft kehrten sie an den gleichen Halm zurück. Geduld war also gefragt – wie immer in der Tierfotografie.

Das Gebiet alte Glattläufe ist von zahlreichen Wegen durchzogen, die von Wanderern und Bikern gerne genutzt werden. Attraktive Auenlandschaften, Naturwiesen und Äcker, Spiegelungen in stehenden Gewässern, die nur in diesem Gebiet vorkommende sibirische Schwertlilie (Iris sibirica) und verschiedene Orchideenarten bieten viele attraktive Fotomotive. Immer wieder ist auch ein Blick auf das Flugfeld möglich. Der wegen Corona deutlich reduzierte Flugbetrieb war augenfällig.

Der Lunch aus dem Rucksack an einem der Rastplätze bot Gelegenheit zum Fachsimpeln und zum Erfahrungsaustausch. Für Insektenfotografie ist ein Makro-Objektiv mit längerer Brennweite, mindestens 100mm, besser aber zwischen 150 und 200mm, eventuell sogar an einer Kamera mit Crop-Faktor von Vorteil. Eine kurze Verschlusszeit, nötigenfalls unter Inkaufnahme höherer ISO-Werte, ist Voraussetzung für scharfe Bilder, denn die Halme, auf denen die Libellen sitzen, sind kaum je wirklich ruhig und auch ohne Wind fast ständig in Bewegung.

Im Verlauf des Nachmittags machten wir uns mit leeren Akkus und vollen Speicherkarten, vor allem aber mit vielen tollen Erinnerungen – viele auch mit der Absicht, bald wieder an diesen wunderschönen Ort zurückzukehren - auf den Heimweg. Die Sichtung, Bewertung und Bearbeitung der Bilder wird uns noch viel Arbeit und viele Glücksmomente bescheren.

Ein grosses und herzliches Merci an Therese für die perfekte Organisation dieses Events und an Eric sowie seinen Sohn Janis für die kundige Führung durch dieses Kleinod inmitten
dieser durch den Menschen intensiv genutzten Landschaft mit dicht bebauter Verkehrs- und anderer Infrastruktur.

Bruno Wägli, Aarberg